Haus Uptmoor feat. Pistole

Mal so richtig stilecht zwei grandiose Fliegen mit einer Klappe schlagen? Kein Problem für mich! Beziehungsweise für Petra von www.genusszeiten.de – Petra hat mich nämlich auf die Veranstaltung „Lebensmittelleidenschaft Pistole Hardcore Food“ im Haus Uptmoor in Lohne hingewiesen und schwups, waren wir beide angemeldet und leicht euphorisiert. Pistole war uns beiden nämlich schon immer sympathisch und ich hatte noch den Monat April meiner eat-12-challenge im Haus Uptmoor zu absolvieren. Zwei grandiose Fliegen, eine Klappe – ihr versteht also?

Am vierten April war es dann soweit. Schick gemacht und ziemlich gespannt wurden wir in der Gründerzeitvilla mit in Lohne mit einem Glas Sekt (ich, als Unwissende gehe zumindest davon aus, dass es sich um Sekt handelte) begrüßt. Nette Gastgeber, nette Runde an ebenfalls Essneugierigen.

Als Apero wurde ein kleiner Macaronburger mit Makrele, Alge und Tomate gereicht. Eine so spannende Kombi, dass sich mein Gaumen kurz auf diese Geschmacksneuheit konzentrieren musste.

Makrelenburger

So geht`s dann auch weiter. In einer kleinen roten Waffel kommt Rindertatar mit Jakobsmuschelcarpaccio und Himbeere daher. Total meins. Großartig.

Petra mit der Tatarwaffel

Die Blutwurstkugel mit Kirsche und Bronzefenchel hat es hingegen nicht so leicht mit mir. Das liegt aber einzig und allein daran, dass ich einfach keine Blutwurst essen kann. Blutwurstsperre sozusagen. Ich probierte trotzdem tapfer und fand die Kombi der Produkte trotz Blutwurstproblem sehr spannend.

uncommented Blutwurst

Schnell noch etwas Schaumwein und ab geht`s an die festlich gedeckte Tafel.

Als Amuse wird Lammbries mit Joghurt, Romanasalat und Okra gereicht.

Lammbries

Bries ist eine Brustdrüse bei jungen Tieren und Pistole erklärt uns, dass er die Philosophie vertritt, dass Tiere als Lebensmittel Wertschätzung erfahren sollten. Er erklärt uns auch, dass ihm wichtig ist, dass nicht von Produkten sondern explizit von Lebensmitteln gesprochen werden sollte. Klare Worte findet er ebenfalls, als er erklärt, dass Tiere getöten werden, damit Menschen sie essen können. Das ist für mich kurz ungewohnt, beim Essen über den Tod des Tieres zu sprechen, dass ich soeben verzehre. Aber ehrlich? Es ist doch genauso. Aus, Schluss vorbei mit der Doppelmoral. Ja, Bries ist die Brustdrüse eines jungen Tieres. Und ja, dieses Tier ist für unser Essen gestorben. Und warum bitte sollte man nur die bekannten, „guten“ Teile des Tieres essen? Das wäre Verschwendung, dem kann ich mich gut anschließen.

Weiter geht es dann mit Fisch, Fisch und Fisch. Und jetzt kommt’s: Ich bin gar nicht so der Fischfan. Aber wer mich kennt, der weiß, dass ich mich durch alles probiere, was mir vor die Gabel kommt. Und so esse ich Saibling mit grünem Spargel, Apfel und Miso, Forelle mit Mais, Pumpernickel und Buttermilchdashi, geräucherten Lachs mit Gurke und Melone und Zander mit Sellerie, Bärlauch und Amalfi-Schaum.
Ob man es mir glaubt oder nicht, der Fisch hat gar nicht so fischig geschmeckt. Hätte ich mit verbundenen Augen gegessen, ich hätte wohl niemals selbstsicher und laut „Fisch“ gerufen. Die Konsistenz viel weicher, der Geschmack ganz anders. Pistole erklärt das mit der Tötungsart der Fische. Ike Jime. Eine japanische Tötungsart, die dem Fisch Stress erspart. So bleibt das Fleisch zart und dem Tier wird der nötige Respekt entgegengebracht. Torsten Pistol vergleicht zum Beispiel Ike Jime mit dem Wort „fangfrisch“. Werden Fische nämlich aus dem Meer geholt, ersticken sie qualvoll. Das ist nicht wertschätzend und wirkt sich auf die Qualität des Lebensmittels aus. Wer mehr über Ike-Jime oder Torsten Pistol erfahren möchte, kann sich hier www.hardcorefood.de schlaulesen.

Eins der vielen Fischgerichte – ich glaube, es war der Zander.

Zum Abschluss des gelungenen Abends gab es Rhababer mit Waldfrucht und Basilikumeis und kleine Petit Four in Form von Fischpralinen und Co.

Rhababer mit Basilikumeis

Zu allen Gängen wurde übrigens vom Restaurantleiter David Maaß der passende Wein gereicht. Erklärt wurde auch fachkundig, was wirklich lobend zu erwähnen ist. Schön, wenn Fachleute ihr Wissen dem Gast zur Verfügung stellen.

Wichtig ist auch noch zu erwähnen, dass Küchenchef Kevin Gideon und Sous-Chef Leo Sturm ganze Arbeit geleistet haben. Die Gerichte waren hervorragend abgestimmt und wurden unglaublich sympathisch aufgetischt. Junge Köche, die Ahnung haben und Lebensmittel schätzen. Respekt.

Am Ende des abends bin ich überrascht. Überrascht von der Art, so viele Geschmäcker auf einen Teller zu bringen. Überrascht davon, ein wenig Doppelmoral abgelegt zu haben. Überrascht von diesem schönen Gebäude mitten in Lohne. Und so gar nicht überrascht davon, wie sympathisch Pistole doch ist.

Die Blutwurstsperre bleibt, die Doppelmoral schwindet.
Vielen Dank für diesen Abend
KitchIch

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